Fotografie mit grünem Auge


Mit fast sechs Jahren Berufserfahrung ist Simon Veith ein Pionier in der nachhaltigen Fotografie und der damit verbundenen umweltbewussten Arbeits- und Lebensweise. Er hilft Unternehmen dabei, nachhaltige Konzepte zu entwickeln und diese bei der Positionierung der Marke umzusetzen. Im Interview sprach er mit uns darüber, welche Entwicklung diese Konzepte im B2C- und B2B-Bereich genommen haben, welche Bedeutung Nachhaltigkeit auf B2B-Werber hat und wie ein Unternehmen authentisch umweltbewusst handeln kann.

Foto © Simon Veith


/ SIMON VEITH beschäftigt sich seit 2016 mit nachhaltiger Fotografie. Aufgewachsen in Südhessen, zog es ihn über ein Studium in Fulda und Aarhus bis nach Köln, wo er heute lebt und wirkt. Schon früh entwickelte sich ein nachhaltiges Bewusstsein, wodurch er bereits ab 2012 vegan lebte – erst um des Tierwohl willen, später wegen der Umwelt. Emissionsarme Anreisen zu regionalen Fotoshootings, grüne Webhoster und Ökostrom sowie gebrauchtes und geliehenes Equipment gehören zu seinem Arbeits­alltag. Um seine Klimabilanz positiv zu halten, werden zudem für jeden Auftrag 100 Bäume gepflanzt – bisher sind es 5.436. Und auch die Fotografien selbst sollen zeitlos und nachhaltig wirken.WWW.SIMON-VEITH.COM
INSTAGRAM: @SIMONVEITH_

/ Mit welcher Intention hast du mit nachhaltiger Fotografie angefangen und welche Rückschlüsse ziehst du nach fast sechs Jahren Berufserfahrung daraus?

SV_ Ich habe damals angefangen nachhaltig zu fotografieren, um die Marketingwelt grüner zu gestalten. Zum einen möchte ich Sozialunternehmen, NGOs und Green Businesses helfen, eine bessere Bildsprache zu entwickeln und damit mehr Erfolg zu haben. Zum anderen habe ich das Bedürfnis, sowohl Fotografie als auch die Wirtschaft im Allgemeinen zu einem umweltbewussteren Handeln zu bewegen. Ich kann zweifelsfrei einen starken Anstieg in den letzten sechs Jahren bezüglich der Nachhaltigkeit bei Unternehmen wahrnehmen.

/ Du arbeitest sowohl mit Kund:innen im B2C- als auch im B2B-Bereich zusammen. Entwickeln sich beide Branchen gleich schnell in Richtung Nachhaltigkeit?

SV_ Das ist schwer zu beurteilen. Ich schätze, dass sich der B2C-Bereich aufgrund des öffentlichen Drucks schneller Richtung Nachhaltigkeit bewegt. Dennoch gibt es ebenso erfreuliche Bewegungen im B2B-Bereich, keine Frage. Meinetwegen können sich die Bereiche gerne batteln, wer nachhaltiger wird.

/ Nicht nur deine Arbeitsweise, sondern auch deine Bildsprache ist nachhaltig. Wie sieht das aus und welche Wirkung hat das auf deine Kund:innen?

SV_ Ich arbeite gerne zusammen mit Unternehmen eine eigene Bildsprache aus, die optimal zu den Zielen und der Zielgruppe eines Unternehmens passt. Auch die Nachhaltigkeit muss dabei klar erkennbar sein. Kombiniert mit meiner positiven, warmen Bildsprache wird das Unternehmen mit der neuen Bildwelt optimal präsentiert und kann somit leichter Kund:innen anziehen, ganz egal ob im B2B oder B2C. Zudem ist mein Bildstil zeitlos, was eine möglichst lange Verwendung verspricht. Natürlich bringen elbst die besten Fotos auf einer aus der Zeit gefallenen Website mit altbackenen Texten nicht viel, weshalb ich mit den besten nachhaltigen Kreativen ihres Fachs ein öko-soziales Kollektiv namens akomo gegründet habe, um alle Bereiche des Marketings abdecken zu können.

/ Du reist umweltbewusst zu deinen Shootings und pflanzt nach jedem deiner Aufträge Bäume für eine bessere Klimabilanz. Hast du Tipps, wie ein Unternehmen klimapositiver agieren kann?

SV_ Na klar habe ich die. Das Ziel ist es immer, weniger CO2 und Müll zu verbrauchen. Die größten Stellschrauben sind meistens der Strom, die Mobilität und vor allem auch die Ernährung. Für eine nachhaltige Stromversorgung empfehle ich immer den Grünstrom zu nutzen. Öffentliche Verkehrsmittel nutzen und Fahrrad fahren sind die besten Optionen bei der Mobilität, gefolgt von kleinen E- oder Erdgas-Fahrzeugen. Ein mittelständisches Unternehmen kann je nach Branche mit der Umstellung der Mensa auf vegan, bio und regional vermutlich den höchsten Impact erzielen. Hierdurch wird nicht nur CO2 eingespart, auch Mitarbeitende leben gesünder und Tierleid wird verhindert. Zu diesem Thema habe ich auch eine Landingpage mit zwölf Tipps für mehr Nachhaltigkeit erstellt:
https://www.simon-veith.com/12tipps/


/ Du arbeitest hauptsächlich mit gebrauchtem und geliehenem Equipment aus deiner Region. Dabei denkt man oftmals an veraltete Soft- und Hardware und damit verbundene Ausfälle. Wie gelingt es dir, dass sich das nicht negativ auf deine Arbeit auswirkt?

SV_ Ich versuche mein Equipment immer möglichst nachhaltig zu beschaffen. Das heißt aber nicht, dass es bereits veraltet sein muss. Im Gegenteil, ich arbeite mit topmodernen Systemkameras mit hochwertigen Objektiven. Diese kaufe ich allerdings selten komplett neu. Zudem pflege ich meinen iMac und arbeite immer mit den neusten Programmen. Auch bilde ich mich stetig weiter, was sowohl Bildsprache als auch Fototechnik betrifft.

/ Wie stellst du dir den Stellenwert von nachhaltiger Fotografie und ähnlichen Werbedienstleistungen in der Zukunft vor?

SV_ Der Trend der letzten Jahre hin zum Umweltschutz und zu mehr Nachhaltigkeit ist ja leicht zu erkennen. Daher kann ich mir nur eine grüne Zukunft vorstellen und bin mir sicher, dass zum einen ökologisches Handeln und zum anderen die passende, aufrichtige und authentische Kommunikation zu diesem Thema von enormer Wichtigkeit sein wird. Da ich meinen klimapositiven Ansatz der nachhaltigen Fotografie schon seit fünfeinhalb Jahren gewissenhaft verfolge, werde ich selbst hoffentlich auch eine große Rolle dabei spielen. Ich habe eine riesige Lust, einen positiven Impact auf die Gesellschaft und das Weltklima zu hinterlassen und das gemeinsam mit noch größeren Kund:innen verwirklichen zu können.

Ich danke dir für dieses aufschlussreiche Interview, Simon.

INTERVIEW / LOUIS BAUR

Foto © Simon Veith

Foto © Simon Veith

Foto © Simon Veith

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Foto © Simon Veith

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Foto © Simon Veith