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18.11.2022

Die Suche nach den richtigen Mitarbeitenden bringt einen gerne an viele weit entfernte und unbekannte Gebiete der Employer Branding Galaxie. Es gibt aber auch Orte um Mitarbeitende zu finden, die Sie besser kennen, als alle anderen: Ihre eigenen Kanäle. Wir schauen uns an, was Sie dort alles machen können.

Houston, wir bleiben hier: Ihre Karrierewebsite

Sie ist der wichtigste Ort für Ihr Employer Branding und Recruiting überhaupt: Ihre Karrierewebsite. Ohne Sie geht praktisch nichts. Und das ist nicht mal übertrieben.
Laut einer Studie von Softgarden und Personalmarketing2null von 2020 würden sich über 70% der Jobsuchenden bei einer Firma ohne Karrierewebsite gar nicht erst bewerben. Für fast ebenso viele sind die Karriereseiten von Unternehmen überhaupt die erste Anlaufstelle bei Informationen über Unternehmen und Jobgelegenheiten, knapp vor den Jobportalen wie Indeed oder StepStone. Auf den Plätzen folgen Google und die Karrierenetzwerke LinkedIn und Xing.
Auf Ihren Karriereseiten entscheidet sich, ob Bewerbungen bei Ihnen reinkommen. Sollten die ausbleiben, bietet Ihre Seite wahrscheinlich zu wenig Informationen. Knapp 43% der Befragten gaben an, sich wegen mangelnder Transparenz gegen eine Bewerbung entschieden zu haben. Vor allem deshalb, weil die Jobsuchenden hinter dem Mangel an Informationen einen ebensolchen an Wertschätzung bzw. einen geringen Stellenwert für das Thema Arbeitsplatzattraktiv vermuten.
Wenig überraschend ist die Suche nach Jobangeboten der Hauptmotivator für den Besuch einer Karriere, mit knapp 88% sogar mit einigem Abstand. Danach folgen Infos über den Arbeitgeber (72%) sowie Infos über Ansprechpartner (50%).
Bei den Infos über den Arbeitgeber erwarten gut drei Viertel genauere Angaben über den Standort bzw. die Standorte. Kein Wunder, schließlich ergab eine Studie von meineStadt.de, dass Heimatnähe für die Mehrheit der Bewerber der entscheidende Faktor ist. Knapp 88% suchen neue Jobs nur in einem Umkreis von maximal 49 Kilometern. Über 80% der Fachkräfte sind sogar noch nie oder nur ein einziges Mal in ihrem Leben jobbedingt umgezogen.
Auf Platz zwei der wichtigsten Informationen stehen mit 70,1% Angaben zu Weiterbildungsmöglichkeiten. Nur knapp dahinter folgen mit 69,7% Informationen zu Werten und zur Unternehmenskultur. Auf den weiteren Plätzen folgen mit einigem Abstand: Informationen über Aufgaben und Projekte, Mitarbeitervorteile, soziale Verantwortung und Nachhaltigkeit, Einblicke in den Arbeitsalltag sowie Darstellungen des Unternehmens aus Mitarbeiterperspektive.
Diese Informationen möchte die Mehrzahl potenzieller Bewerber und Bewerberinnen übrigens am liebsten in einer Kombination aus Text und Bild erhalten. Mit 52,4% ist das fast doppelt so populär wie eine Kombination aus Text, Bild und Video, das 29,5% bevorzugen. Wenn Sie gerne richtig daneben liegen, sollten Sie Bewerbende ausschließlich mit Videos informieren. Das finden nämlich nur 0,75% gut. Überhaupt sind Jobsuchende eher traditionell, was sich auch bei den bevorzugten Möglichkeiten zur Kontaktaufnahme zeigt. Über 70% möchten dafür am liebsten einen direkten, menschlichen Ansprechpartner. Mit deutlichem Abstand landet das Kontaktformular auf Platz zwei (15,6%). Moderne Kontaktmöglichkeiten wie Live-Chats (3,5%) oder Chatbots (1,7%) liegen abgeschlagen auf den letzten Plätzen.

Fassen wir zum Schluss noch mal zusammen:


• Eine Karrierewebsite ist Pflicht.
• Sorgen Sie für Transparenz, bieten Sie umfangreiche Informationen, sonst bleiben Bewerbungen aus.
• Jobangebote sind die wichtigsten Inhalte, machen Sie sie leicht auffind- und durchsuchbar.
• Informationen zum Standort sind am gefragtesten, aber mit Ihren Werten und Ihrer Unternehmenskultur können Sie den Unterschied machen. Achten Sie darauf, beides gut und verständlich darzustellen.
• Texte sind auf Karrierewebseiten am wichtigsten. Hier müssen Sie besonders auf eine hohe Qualität und Verständlichkeit achten. Bilder und Videos können hervorragend dazu genutzt werden, die Textinhalte zu ergänzen oder anzureichern.
• Dabei ist es wichtig, dass Bilder und Texte einen authentischen Blick in ihr Unternehmen liefern. Symbolbilder und Stockfotos sowie -videos leisten das nicht und sollten nicht genutzt werden.
• Ihre kommenden Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen möchten im Vorfeld einer Bewerbung am liebsten mit echten Menschen sprechen. Machen Sie das möglich. Kontaktformulare sind auch gut. Modernere Angebote wie Live-Chats und Chatbots sollten Sie nur als Zusatzangebot auf Ihre Karrierewebsite aufnehmen.

Dynamisch und wirksam: Der Corporate Blog

Die Karrierewebsite ist der wichtigste eigene Kanal, dass wissen wir jetzt. Aber er ist auch statisch. Einmal erstellt, wird sich der Inhalt für viele Jahre in aller Regel nicht mehr verändern. Das ist insofern in Ordnung, als dass von einer Karrierewebsite nun mal bestimmte Informationen erwartet werden. Die fehlende Veränderung bedeutet aber auch, dass immer neue Anstöße fehlen, sich mit Ihrem Unternehmen als möglichem Arbeitsplatz auseinanderzusetzen.
Genau dafür kann ein Corporate Blog die Lösung sein. Ein Corporate Blog bietet Ihnen die Möglichkeit, einen intimeren Blick hinter die Kulissen Ihres Unternehmens zu ermöglichen und damit als Arbeitgeber greifbarer zu werden. Sie können mit Inhalten und Formen experimentieren. Denn selbst wenn eine Thema oder eine bestimmte Form nicht gut ankommen, werden sie schon bald von anderen Inhalten ersetzt. Überhaupt ist die Dynamik und die stetige Erneuerung der attraktivste Faktor eines Corporate Blogs für Sie. Denn dadurch können Sie immer wieder neuen Traffic generieren. Sie bekommen neuen Content für Ihre Social Media Auftritte, haben gute Chancen mit guten Beiträgen Top-Platzierungen in Suchmaschinen zu erreichen und wenn Sie Ihre Beiträge richtig gestalten, könnten Sie zusätzlichen Traffic über Google News generieren.
 

Das sollten Sie bei Ihren Corporate Blog beachten:

Schreiben Sie über das, was Ihre Leser wissen wollen. Nicht das, was Sie sagen wollen.


Der ein oder andere wird bei dieser Binse jetzt genervt mit den Augen rollen. Wir wiederholen es aber dennoch, weil es so grundlegend wichtig ist. Achten Sie penible darauf, in Ihrem Corporate Blog Inhalte anzubieten, die für Ihre Zielgruppen relevant, interessant und nützlich sind. Widerstehen Sie dem Reflex, darüber zu schreiben, welche Vorteile der neue TBX 5000 bietet. Für Ihren Corporate Blog hat das nur Vorteile. Ihre Leser bleiben bei der Stange und kommen wieder. Sie werden besser gefunden, weil der Google-Algorithmus relevante Inhalte weiter oben in den Suchergebnisse anzeigt. Außerdem steigt mit nützlichen, interessanten Inhalten die Chance, dass Ihre Blogposts in sozialen Medien geteilt oder, dass Ihre eigenen Posts über Ihre Blogeinträge geliked und kommentiert werden. So können Sie ungezwungen direkt mit Ihren Zielgruppen in Kontakt kommen.

Machen Sie sich einen Plan. Und halten Sie sich daran.


Für Ihren Corporate Blog sollten Sie sich nicht auf genialische Geistesblitze verlassen. Erstellen Sie lieber einen Redaktionsplan, in dem Sie mindestens die nächsten 3 Monate vorausplanen und zwei Monate vorausarbeiten. So haben Sie genügend Zeit, zu recherchieren oder Interviewpartner anzufragen und eine gute Chance, immer vor der Welle zu bleiben, um hektische Schreibaktionen zu vermeiden.

Worüber Sie ganz grundsätzlich in Ihrem Corporate Blog schreiben und welche Rubriken Sie anbieten, haben Sie idealerweise in Ihrer Content Strategie vorausgeplant. Ihre Themen werden dabei natürlich vorrangig von dem definiert, was Ihr Unternehmen bieten kann. Wir empfehlen aber ausdrücklich auch Keywordrecherchen bei Google anzustrengen und Inhalte auf einige der für Sie relevantesten Keywords zu erstellen.

Sind diese Dinge erledigt, geht es ab dann vorrangig um Disziplin. Halten Sie sich an Ihren Plan. Tun Sie das nicht, werden Sie irgendwann den Überblick verlieren. Sie werden hektisch Lücken stopfen müssen und das geht zu Lasten der Contentqualität.

Bewerben Sie Ihren Content


Sie haben sich eine Content Strategie überlegt, einen Plan gemacht und nun jede Menge richtig guter Inhalte erstellt – dann müssen Sie im nächsten Schritt dafür sorgen, dass Ihre Inhalte auch gelesen werden. Abwarten und auf darauf vertrauen, dass sich Qualität durchsetzt, wird in den allermeisten Fällen leider nicht ausreichen. Sie müssen Ihren Content bekannt machen.

Social Media ist dafür ideal. Zum einen können Sie Ihre Inhalte über Ihre eigenen Kanäle promoten. Ist die Anzahl derer, die Ihnen auf Facebook und Co. folgen groß genug, können Sie schon eine gute Portion Traffic für Ihre Inhalten kostenlos erzeugen. Allerdings werden das dann in der Regel Menschen sein, die sich sowieso schon mit Ihrem Unternehmen auseinandersetzen. Ein bisschen ist das also schmoren im eigenen Saft. Wier empfehlen Ihnen daher immer auch Geld in Social Media Werbung zu investieren, um Zielgruppen außerhalb Ihrer Followerschaft zu erreichen. Selbst mit 50 € können Sie hier schon einen Unterschied machen. Das Gleiche gilt übrigens auch für Suchmaschinenwerbung. Hier bewerben Sie natürlich die Inhalte, die auf Basis Ihrer Keywordrecherchen entstanden sind. Auch interessant sind sogenannte Content Discovery Plattformen wie Taboola. Hier können Sie Anzeigen buchen, die dann zum Beispiel unter Artikeln bei Nachrichtenseiten wie Süddeutsche Zeitung, Welt oder MSN erscheinen. Gezahlt wird nur bei Klick und natürlich können Sie auch hier ein festes Budget definieren.
Gerade zum Start Ihres Corporate Blogs sollten Sie etwas Geld in die Hand nehmen. Langfristig dürfte der gute Content in Ihrem Blog für wiederkehrende Leser, mehr Social Shares und entsprechend weniger Mediaspendings sorgen.

Nutzen Sie Analytics und Co.


Wenn Sie Ihren Content bewerben, sollten Sie auch in der Lage sein können, herauszufinden, ob sich der Aufwand gelohnt hat oder nicht. Dafür sind Webanalyse-Tools unerlässlich. Am einfachsten setzen Sie dabei auf Google Analytics. Es ist kostenlos, umfangreich, wird von allen CMS unterstützt und wenn Sie SEA betreiben, haben Sie in der Regel auch schon ein Google-Konto, um direkt loszulegen. Achten Sie bei der Datenanalyse nicht nur auf die Seitenaufrufe. Schauen Sie z.B. auch auf die Verweildauer. Die sollte im Schnitt wenigstens so lang sein, wie es mindestens braucht, einen Ihrer Artikel zu lesen. Ist das nicht der Fall und haben Sie eine konsequent hohe Bounce-Rate (>70%), sollten Sie sich Ihren Content aber auch die Art, wie Sie Ihren Content bewerben nochmal kritisch ansehen. Vielleicht wecken Sie mit ihrer Werbung falsche Erwartungen, die der Inhalt dann nicht einhalten kann. Das Ergebnis: Die Nutzer verschwinden schnell, ihre Bounce-Rate steigt.
Abgesehen von Analytics können Heatmap-Tools wie Hotjar interessante Erkenntnisse liefern. Damit können Sie gut erkennen, wo Nutzer noch viel mit Ihrem Blog interagieren und wo nicht mehr. Wenn Sie feststellen, dass viele Nutzer gar nicht bis zum Ende Ihrer Artikel scrollen, ist das ein Hinweis darauf, dass Ihre Inhalte möglicherweise zu lang sind. Überprüfen Sie dann auch, ob Ihre Nutzer mehr via Desktop oder mit Mobilgeräten auf Ihren Blog zugreifen. Sind es überwiegend Mobilgeräte, sollten Sie grundsätzlich darauf achten die Länge Ihrer Inhalte so kurz wie möglich zu halten. Es könnte aber zum Beispiel auch sein, dass etwas im Design Ihrer Beiträge den Lesern suggeriert, dass der Beitrag an dieser Stelle zu Ende ist und viele deshalb frühzeitig abspringen.
Analytics helfen Ihnen dabei, Ihren Corporate Blog mit den Augen Ihrer Zielgruppe zu sehen – nutzen Sie diese Chance.

Ihre Arbeitgebermarke gehört gehört: der Karriere-Podcast

Neben Blogs haben sich Podcasts als weiteres großes Publishingformat etabliert. Und auch, wenn Plattformen wie das einige Zeit lang gehypte Clubhouse immer wieder versuchen Audiopublishing „neu zu definieren“, bleibt das klassische Podcasting davon unberührt. Im Gegenteil, Podcasting wächst beständig. Gaben 2016 noch gerade mal 14% der Internetnutzer in Deutschland an, regelmäßig Podcasts zu hören, ist dieser Wert 2022 auf 43% gestiegen. Den größten Teil der Hörerschaft macht laut der Pod-ratings-Studie von 2020 dabei die für Employer Branding relevante Gruppe der 14 – 59 jährigen aus. Insgesamt sind das 9,7 Millionen potenzielle, regelmäßige Hörer und Hörerinnen. Die Zahl derer, die schon mal Podcasts gehört haben, lag 2020 übrigens bei 23 Millionen Menschen. Podcast-Hörer sind in der Regel tatsächlich eher Hörer als Hörerinnen. Laut einer Umfrage von OMR werden Podcasts zu knapp 60% von Männern gehört.
Besonders interessant sind Podcasts im Employer Branding , wenn Sie vor allem Menschen mit höheren Bildungsabschlüssen suchen. Knapp 30% haben mindestens Fachabitur und über 55% sogar einen Universitätsabschluss.
Podcasts werden von Hörern und Hörerinnen besonders regelmäßig genutzt. Über 92% hören mehrmals die Woche, 53% sogar täglich Podcasts. Podcasts sind also echte Besuchermagneten. Kein Wunder, denn bei einem Podcast bekommt Ihre Arbeitgebermarke im wahrsten Sinne des Wortes eine Stimme. Und das sorgt für eine starke Verbindung. Beim Podcast entsteht eine Unmittelbarkeit und Intimität nur dank der Stimmen, die ein Blog so nie erreichen kann. Achten Sie also bei Ihrem Employer Branding Podcast immer darauf, einen Gastgeber, eine feste Stimme zu haben. So stärken Sie die Bindung zu Ihren Hörern.
Was die Inhalte für Ihren Podcast betrifft, können Sie sich an den Tipps für Ihren Blog orientieren. Bei der Umsetzung sollten Sie aber die Möglichkeiten des Mediums nutzen. Im Podcast können Sie über Stimme und Geräusche Atmosphäre erzeugen. Nutzen Sie das. Wenn Sie über die Stelle eines Produktionsleiters informieren wollen, sprechen Sie mit der Person nicht nur im stillen Aufnahmeraum. Machen Sie eine kurze Audioreportage, um Ihren Gesprächspartner vorzustellen. Besuchen Sie die Person in der Produktion, fangen Sie die Geräuschkulisse ein und setzen Sie in der Postproduction Ihr Voiceover darüber. So entsteht mit einfachen Mitteln eine lebendige Folge.
Auch technisch ist ein Podcast keine große Herausforderung. Theoretisch können Sie von Aufnahme bis Schnitt und Abmischen alles mit Ihrem Smartphone erledigen. Mit ein paar Gadgets und Tools wird die Qualität Ihres Podcasts aber hörbar besser, ohne dass Sie dafür viel von Ihrem Budget opfern müssen. Ein empfehlenswertes Modell wie z.B. das Shure MV7, dass sich sowohl gut für Aufnahmen in Innenräumen und unterwegs eignet, kostet ca. 250 €. Um Ihre Podcastfolgen zu mischen können Sie ganz einfach auf das kostenlose Opensource-Tool Audacity zurückgreifen.
Die Folgen Ihres Podcasts können Sie dann auf zwei Arten veröffentlichen. Besonders komfortabel wird es, wenn Sie auf einen Podcasthoster wie Buzzsprout oder Podigee setzen. Dort können Sie dann ganz einfach alle Folgen Ihres Podcast hochladen und sie von dort aus automatisch bei iTunes, Google Podcast, Spotify und Co. veröffentlichen.
Sie können aber natürlich auch die Folgen Ihrer Podcasts selbst hosten und veröffentlichen. Dabei müssen Sie vor allem beachten, dass Ihr Podcast einen RSS-Feed bekommt, denn den brauchen Sie, um Ihren Podcast über die großen Plattformen abonnierbar zu machen. Ist alles einmal eingerichtet, läuft aber auch bei eigenem Hosting alles später automatisch.
So oder so, an der Technik wird ein Podcast nicht scheitern. Probieren Sie es einfach aus. Die Investitionskosten sind gering und im schlechtesten Fall haben Sie einfach ein paar gute Gespräche geführt, die sich sonst keiner anhört. Nicht die schlimmsten Aussichten, oder?

Autor
Kai Helzer

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